Wieso Umkleidekabinen manchmal die besten Freunde sind

Es war einer dieser Spiegel in einer Umkleidekabine. Was man zuhause durch eine geschickte Eindrehung vorm Spiegel verhindern kann zu sehen, wurde mir hier quasi blass und von der Form her wie eine überdimensionale Weißwurst präsentiert.

Also: ein warmer April-Tag, der Hauch von Sommer in der Luft und ich in dieser Umkleide-Kabine. Allein, ich hatte das ausgesuchte Stück noch gar nicht an. Sondern war in dem Moment halbnackt quasi eingefroren. Es gibt diese Theorie von“ fight, flight or freeze,“ die unser Kleinhirn angeblich immer noch automatisch abfährt, sobald Gefahr droht. Also: Kämpfen, fliehen oder einfrieren.

Hier drohte keine Gefahr. Zumindest nicht unmittelbar. Trotzdem war ich nicht mehr in der Lage, das ausgesuchte Sommerteilchen anzuziehen. Zu weiß und wulstig ragte das Fleisch meiner Hüfte in dieser Perspektive aus meiner Seite. Ach herrje. Was man zuhause durch eine geschickte Eindrehung vorm Spiegel verhindern kann zu sehen, wurde mir hier quasi blass und von der Form her wie eine überdimensionale Weißwurst präsentiert. Die Ergebnisse des vergangenen Winters. Unzählige Lebkuchen, meiner geliebten Nachos mit Käse… und so weiter.

Frustriert verließ ich den Laden und holte mein Kind von der Schule ab. Der nächste Tag war ein Samstag. An Samstagen habe ich meinen Sohn zu Wing Tsun verdonnert. Eine Selbstverteidigung-Technik, die nicht nur gegen Mobber hilft, sondern auch selbstbewusst und positiv stimmen soll und zudem den Körper trainiert. Er mochte nicht hin. Ich hielt meinen üblichen Sermon von „ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper“ und wir fuhren los.

Das Training findet in einer Seitenstraße eines wunderschönen Platzes in Berlin statt. Angrenzend sind nette Läden, ansprechende Cafés und gleich nebenan ein winziges Fitness-Studio. Üblicherweise verbrachte ich die Zeit des Trainings in einem dieser Cafés, aß Käsekuchen oder liebevoll zubereitete Vanille-Quarks mit Früchten und holte nach einer Zeitungslektüre das Kind wieder ab.

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Diesmal nicht. Die Fahne vor dem winzigen Studio besagte „Sixpack in zwanzig Minuten“ und war aus meiner Sicht wenig einladend. Falsche Versprechen mag ich nicht. Männer mit Sixpacks schon. Aber wer hat so etwas schon, wenn er nicht mindestens 3 Stunden am Tag in der Mucki-Bude verbringt oder ein Filmstar ist und ein Heiden-Geld für einen täglichen Personal Trainer ausgeben konnte.

Dennoch. Ich ging die Stufen hinunter zur Rezeption. Ein schlichter funktionaler Raum, ein Mensch in einer Art Neopren-Anzug und Kabeln, die aus selbigem ragten, machte unter Anleitung Kniebeugen. Er stöhnte laut dabei. Ich dachte, Du meine Güte, das sind doch nur Kniebeugen.

Einige Wochen später wusste ich, dass Kniebeugen in der Kombination mit Strom auf Deinen Muskeln enorm anstrengend sein können. Und dass die kurzen Trainingseinheiten von nur 20 Minuten beim EMS Training zu einem ordentlichen Muskelkater führen können. Und dass es dieses Ansporns bedurfte, um aus mir endlich wieder zu einem sportlichen Menschen zu machen.

Denn erst das Training hat mir wieder Körpergefühl gegeben. Hat mir endlich wieder Lust auf mehr Sport und das Laufen gemacht und mir - da bin ich sicher - über so manchen Gedankenberg in den vergangenen 15 Monaten verholfen. Heute laufe ich mindestens zweimal die Woche und gehe zweimal die Woche zum EMS-Krafttraining. Gewichtsverlust? Kein Gramm. Die Weißwurst aber? Ist fast weg. Und mein Kind? Macht immer noch Wing Tsun. Nebenan. Jeden Samstag. Da bleib ich eisern.

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Eine Kolumne von Leo Busch
Moderatorin, Journalistin. www.leobusch.de

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