Hast Du noch alle? Welche Tassen nicht in die Küche gehören. 

Ich weiß nicht mehr, warum, aber ich kann mich genau an das Bild erinnern: mir war meine Schultasche runtergefallen und mit ihr die extra grosse Packung Tampons.

Es passierte mitten in der großen Pause. 56 Tampons ergossen sich auf den polierten Steinboden der Aula und rollten in alle Richtungen. Zwischen den Beinen der Mitschüler hindurch. Unter die Heizung. In die Ritzen der Abstreifmatte. Meterweit! Ich werde nicht leicht rot, aber in dieser Situation schoss mir das Blut ins Gesicht. Hektisch sammelte ich die Dinger wieder ein, blickte nur nach unten. Eine Freundin half. Die Peinlichkeit der Situation war für mich als 15jährige kaum zu ertragen.

Und auch heute - obwohl ich weiss, dass weltweit 1,9 Milliarden Frauen alle vier Wochen ihre Periode haben - ist das Thema bei mir immer noch zumindest schambehaftet.

Nach wie vor würde ich beispielsweise niemals sichtbar mit einem Tampon-Karton aus dem Großraumbüro der Redaktion zur Toilette laufen. Stattdessen deponiere ich meist morgens schon in meinen Hosentaschen jeweils eines dieser Dinger.

Dabei finde ich Tampons eigentlich nur praktisch, nicht aber wirklich gut. Und rechnet man mal nach, gibt eine in Deutschland lebende Frau im Laufe ihres Lebens über 2000 Euro für Hygiene-Artikel in Sachen Menstruation aus. Und das, wenn es gut (und nicht zu heftig) läuft. Nicht nur ein enormer Kostenfaktor, sondern auch eine Mega-Belastung für die Umwelt. 

Kurz: ich habe es satt. Und kaufe mir daher eine Menstruationstasse. Angeblich kann sie bis zu vier Stunden in der Vagina bleiben und muss dann erst geleert werden. Und angeblich geht auch kaum etwas daneben. Sie kann dann unter laufendem Wasser ausgewaschen und einfach wieder eingesetzt werden. Prima, denke ich.

Im Home-Office funktioniert das auch erst einmal gut. Zumindest das Einsetzen. Ich habe früher oft ein Diaphragma zur Verhütung benutzt und komme erst einmal klar. Das Vakuum allerdings, das entstehen soll, um kein Blut ausfließen zu lassen, macht das Herausnehmen schwierig. Bestimmt Übungssache, sage ich mir, während ich in einer ziemlich unnatürlichen Haltung über der Toilette hänge.

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Der Lackmus-Test allerdings kommt später. In der Redaktion. Ich gehe auf die Toilette und mir wird klar: kein Waschbecken im Toiletten-Kubus. Habe ich vorher nie so drauf geachtet. Ich muss also die Tasse im Toiletten-Stall herausziehen, sie auskippen und dann möglichst ungesehen zum Waschbecken bringen, um sie dort auszuspülen. Wer will schon die blutige Menstruations-Tasse der Kollegin vor Augen geführt bekommen und sich womöglich im gleichen Waschbecken später die Hände waschen? Von da aus muss ich sie wieder mit in den Toiletten-Kubus nehmen und einsetzen. Während dieser Zeit habe ich aber schon wieder den Wasserhahn zum Zudrehen und die Griffe der Toilettentür angefasst und frage mich nun etwas angeekelt, wieviel fremde Bakterien ich mir jetzt gerade mit der Tasse einsetze. Ich beschließe: wenn ich Redaktions-Dienste habe, dann eben doch wieder mit Tampon.

Beim Fliegen oder Bahnfahren dagegen oder in den Berliner Wall-Toiletten, bei denen die Waschbecken direkt in der Toilette installiert sind, funktioniert die Tasse einwandfrei.

Campingplätze dagegen sind nicht gerade „tassen-freundlich“. Im Sommer bin ich auf dem Campingplatz am Starnberger See. Nicht nur, dass man dort einen Chip benötigt, um überhaupt in die sanitären Anlagen zu kommen. Dazu kommt, dass die Türen zu den Damen Toiletten und Waschbecken meist weit ­­­­offenstehen.

Ich kriege das mit dem Chip nicht schnell genug hin, spüre schon, wie mir etwas Warmes das Bein herunter rinnt, finde keine Toilette, die einigermaßen sauber ist und als ich mich überwinde, eine zu putzen und danach aus dem Ställchen komme, um die Tasse auszuspülen, steht dort dieser Mann. Ein bulliger rotnasiger Mittsechziger im Unterhemd, der seiner Partnerin hinterherschreit: „Gisela, aber Du hast die Zahnpasta in Deinem Necessaire!“. Dass dieser Mann das Wort Necessaire und nicht das weitaus geläufigere Wort Waschbeutel benutzt, kann ich in dem Moment gar nicht wertschätzen. Mit der blutverschmiertenTasse in der einen Hand und der anderen Hand darunter, damit nichts tropft, eile ich blickvermeidend zum Waschbecken. Gisela ist in einem der Toiletten-Würfel verschwunden und scheint ihren Partner nicht zu hören. Der lehnt sich nun an den Türrahmen, entdeckt Blut auf meiner Hand und sagt: „Pflaster und so nen Kram kriegen Sie an der Rezeption.“ Ich schüttele nur den Kopf, spüle die Tasse aus und schalte auf Durchzug. Fazit: Camping? Nur mit Tampon.

Das Unterdruck-Thema habe ich auch noch nicht ganz durch. Ich probiere weitere verschiedene Tassen aus, manche haben einen etwas längeren Schniepel zum Herausziehen, andere gar einen Ring. Wieder andere liefern einen Becher mit, in den man die noch unausgespülte Tasse auf dem Weg zum Waschbecken packen kann. Inzwischen habe ich weitaus mehr Geld für Tassen als für Tampons in diesem Jahr ausgegeben. Aber hey - wenns für die Umwelt ist!

Dennoch: Tampons sind - vielleicht auch der Gewöhnung wegen - wieder meine erste Wahl. Die Tasse kommt derzeit nur zuhause und nachts zum Einsatz.  

Demnächst will ich diese Unterwäsche probieren, die alles aufsaugen soll. Aber noch scheue ich vor den Kosten zurück. Denn die Unterwäsche muss man waschen und trocknen und braucht daher bestimmt mindestens drei Höschen für eine Menstruation. Also mindestens 60 Euro, wenn man No-Name Wäsche nimmt. Das ist der Kostenfaktor im Schnitt von 4 Tassen oder 672 Tampons. Ungefähr.

Ein Erfahrungsbericht von Sabine Schlüter

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