Niedrige Libido

Wenn in der Menopause die sexuelle Lust weg ist oder weniger wird

DAS PROBLEM

Du hast schon vergessen, wann Du das letzte Mal Sex hattest? Irgendwie findest Du immer eine andere Ausrede? Und langsam merkst Du, dass das nicht ok ist? Dann solltest Du erstmal eine kleine Bestandsaufnahme machen. Woran liegt es?

  1. Es macht keinen Spaß, weil es weh tut oder weil Du nichts davon hast, womöglich hast Du sogar richtige Schmerzen beim Sex. Oder:
  2. Sex? Echt jetzt? Nichts macht Dich an. Lust? Fehlanzeige. Lieber mit gemütlichem Pyjama ins Bett. Aber: das tut weder Deinem Körpergefühl noch Deiner Beziehung auf Dauer gut. Es sei denn, Dir fehlt gar nichts. Und Deinem Partner womöglich auch nicht. Dann gibt es aber auch kein Problem.

Was sind typische Symptome?

Vaginale Trockenheit, geringe Scheidenfeuchte, Schmerzen beim Sex

Einfach keine Lust auf Sex, kein sexuelles Verlangen

Frustration, Ängste, Stress – bis hin zu Depression, geringem Selbstwertgefühl, unglücklich mit dem eigenen Körper

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Du bist nicht sicher, wo Du stehst und was Du am besten für Deine Gesundheit tun kannst? Lass Dir von uns Deinen persönlichen Plan erstellen:

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WANN BESONDERS HÄUFIG?

Die schlechte Nachricht zuerst (weiter unten kommen die guten): Diese Unlust kann während der gesamten Umstellung Deines Körpers auftreten. Vor, während und nach der Menopause. Meist aus unterschiedlichen Gründen:

In der Peri-Menopause ist es in vielen Fällen eher mangelnde Lust. Wenn Du dann noch zu wenig schläfst, Stress hast und Deine Hormone sowieso Achterbahn fahren, dann ist Ende Gelände.

In der Post-Menopause sind das anders aus. Da macht uns oft unser Körper zu Sex-Muffeln. Das kann unsere Vagina sein, die sich selbst zur Trockenzone erklärt hat (durch einen niedrigen Östrogenspiegel) und einfach nichts flutscht. Oder der ganze Akt tut weh, weil wir unter einer Gebärmutter- oder Blasen-Senkung leiden. Ja, älter werden kann doof sein. Muss aber nicht (siehe weiter unten!)

KOMMT DAS OFT VOR?

58% der Frauen in der Post-Menopause haben vaginale Trockenheit

40% der Frauen berichten über Libido-Probleme

Die Frage ist oft: Wie wichtig ist Sex? Was ist „normal“? Was brauche ICH? Wir sind Individuen und alle grundverschieden. Deshalb: Lass Dir Umfragen, wie oft andere Sex haben, sonst wo vorbeigehen. Normal ist immer das, was sich für Dich gut anfühlt. Eine „Hypoactive Desire Disorder“ ist es nur, wenn es Dich stresst. Bist Du mit wenig Sex okay, dann ist es das auch. Auch wenn es Dein Partner anders sieht.

WAS PASSIERT IM KÖRPER?

Unsere Lust hängt maßgeblich von den Hormonen in unserem Körper ab. Androgene heißen diese Hormone. Das sind „männliche“ Sexhormone wie Testosteron und seine Vorstufe DHEA. Aber auch Östrogen (besonders in der Form Östradiol) und Progesteron beeinflussen die Libido. Beide Hormone schwanken in der Peri-Menopause und sinken nach der Menopause auf ein dauerhaftes Tief. Das Irre ist: Testosteron steigt bei den meisten Frauen in der Post-Menopause an. Liegt am niedrigen Östrogen.

Auch Stress kann einen Libido-Verlust auslösen oder verstärken, ebenso Medikamente wie beispielsweise Anti-Depressiva.

Die einzelnen Auslöser und was jeweils passiert:

  • Qualität Partnerschaft / Lust am Leben / sich „sexy“ fühlen > beeinflusst den Frontallappen des Gehirns > das wiederum hat Einfluss auf Verlangen, Lust, Libido
  • Progesteron + Östradiol sinken > Blutfluss wird verlangsamt > negativer Einfluss auf Empfinden, Erregbarkeit, Sensibilität, Orgasmus
  • Progesteron Schwankungen > negativer Einfluss auf Stimmung und Libido (Progesteron = Vorstufe für Östrogen + Testosteron)
  • Östrogen sinkt > Vaginalgewebe wird dünner und Vagina / -Haut wird trockener, Scheide ist nicht feucht genug > schmerzhafter / unangenehmer Sex
  • Stresshormon Cortisol (dauerhaft) erhöht > negativer Einfluss auf die Libido

DAS KANNST DU TUN

PRÄVENTION UND LINDERUNG

LIFESTYLE

  • „Use it or Lose it”: Die Vagina ist ein Muskel, der benutzt werden will. Das geht auch allein. Me, myself and I ist ein ganz gutes Motto. Was noch lange nicht heisst, dass ein Partner Dir keine Lust bereitet. Betrachte es einfach als zusätzliches Training. Als etwas, was Dir gut tut. Lass Dein Fingergefühl spielen oder kauf Dir einen Vibrator / Dildo. Erinnerst Du Dich an „Mr. Rabbit“ aus Sex in the City?
  • Und wenn Du schon dabei bist, stärke Deinen Beckenboden: Ein starker Beckenboden ist wichtig für Blutfluss und damit für das Lust-Empfinden, gesunde Blase, Gebärmutter und Vagina. Lerne Beckenboden Übungen richtig zu machen!
  • Stress ist der Feind sexuellen Verlangens: Zeit für Dich selbst ist die Grundlage, um Zeit mit jemand anderem verbringen zu können. Du kannst auch mit Massagen, Yoga, Meditation oder Tiefenatmung Deinen Stress abbauen. Oder wie, wenn wir denn welche haben, unsere halb erwachsenen Kinder sagen würden: “Chill mal, Mama”. Oder probiere Zen Swings!
  • Stress und Schlaf sind eng verbunden: Niemand fühlt sich sexy und verspürt große sexuelle Lust, wenn sie / er müde und erschöpft ist. Schlaf ausreichend! Tue etwas Gutes für Dich.
  • Reden ist - ausnahmsweise mal - Gold. Nein - sogar Platin. Rede mit Deinem Partner.  Denn der hat ein Recht darauf, zu erfahren, was in Dir vorgeht und warum. Das soll kein Vortrag über Hormone werden! Aber Verständnis, ein längeres Vorspiel, Gleitgels, erotische Massagen, andere Stellungen / Techniken können helfen. Nehmt Euch Zeit, seid kreativ. Und wenn nur Du redest? Auch egal.
  • Sex Food: Ja, man kann sich tatsächlich Lust anfuttern. Austern, Feigen, Bananen, Rote Beete, Mandeln, Süßkartoffeln, Muskat und Avocados werden natürlich aphrodisierende Eigenschaften nachgesagt. Kakao erhöht den Dopamin-Spiegel, unsere Wohlfühl-Chemikalie – z.B. in dunkler Schokolade mit +70% Kakaoanteil. Merkst Du was? Pflanzenbasiert! Gemüse! Alles voller Vitalstoffe, gut für den Blutfluss und damit auch die Libido.

ALTERNATIVEN & PRODUKTE

  • Für Feuchtgebiete: Bau vaginale Gleit- und Feuchtgels oder natürliche Vitamin E-haltige Öle (Arganöl) oder Aloe Vera mit in das Vorspiel ein. Wenn Du davor zurückscheust, öle/creme Dich vorher im Bad alleine ein. Du kennst Deinen Körper am besten. Und wie alle anderen Hautpartien freut sich auch die Vagina über Feuchtigkeit – frei von Zusätzen wie Parfüm, Parabene, Mineralöle!
  • Lust aus der Natur. Pflanzliche Kräuter können ebenfalls unterstützen, wie Maca, ein Adaptogen aus den Anden in Peru das voller Nährstoffe wie beispielsweise Jod und Zink steckt.
  • Dein Gehirn ist Dein größtes Sexualorgan. Wieso also nicht lustvolle Geschichten von Femtasy anhören? Und je mehr Du über Dich und Deinen Orgasmus weißt, desto besser weißt Du auch, was Dir gut tut: Also Wissen ist Sex: Die Videos von OMGYes sind Inspiration!
  • Sexualtherapeuten - klingen erst mal schrecklich. Aber hey. Das sind Leute, die sich professionell mit dem Thema beschäftigen. Und sie werden dafür bezahlt zu helfen. Zum Beispiel bei emotionalen Blockaden. Und man kann sogar zu zweit hingehen.

MEDIZINISCH

  • Mach Dich frei. Im wahrsten Sinne des Wortes. Rede mit Deinem Frauenarzt/-ärztin. Klär ab, wo die Ursache liegt: Körperlich (funktional) oder emotional (Verlangen, Lust) und besprich die für Dich passenden Optionen.
  • Progesteron Creme (Progesteron ist Vorstufe für Östrogen und Testosteron) – primär in der Peri-Menopause
  • Hormontherapie in Form Östradiol (per Pflaster oder durch Einnahme)
  • Hormontherapie mit Testosteron und teils DHEA (Testosteron Vorstufe)
  • Mona Lisa Touch: Laser-Behandlung zur besseren Durchblutung des Vaginalgewebes (Vaginale Trockenheit)
  • Medikamente („Pink Viagra“): Addyi (Flibanserin) oder Vyleesi (Bremelanotid)

Zum Nachdenken: “Uns ist eingeredet worden, dass Sex nur dann gut ist, wenn beide Partner einen Orgasmus erreicht haben. Dabei ist das nur ein Ausschnitt. Wenn man 100 Menschen danach befragt, was für sie schlechter Sex ist, wird jeder davon sprechen, was er/sie dabei empfindet. Und jeder kann dabei etwas anderes empfinden.”

Gina Ogden, PhD, Sex Therapist & Associate Professor of Sexology

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Cortisol, Sexual Arousal, and Affect in Response to Sexual StimuliJ Sex Med. 2008 Sep; 5(9): 2111–2118.
Endocrinology of human female sexuality, mating, and reproductive behaviorHormones and Behavior, Volume 91, May 2017, Pages 19-35
Estrogen and estrogen-androgen replacement in postmenopausal women dissatisfied with estrogen-only therapy. Sexual behavior and neuroendocrine responses.J Reprod Med. 1998 Oct;43(10):847-56.
Sex, hormones and the brainEur J Contracept Reprod Health Care. 1997 Dec;2(4):247-51.
Safety and efficacy of testosterone for women: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trial dataThe Lancet Diabetes and Endocrinology, VOLUME 7, ISSUE 10, P754-766, OCTOBER 01, 2019
Low Libido At Midlife? What You Can Do To Increase ItDr Christiane Northrup
Hypoactive Sexual Desire Disorder: International Society for the Study of Women's Sexual Health (ISSWSH) Expert Consensus Panel ReviewMayo Clin Proc. 2017 Jan;92(1):114-128. doi: 10.1016/j.mayocp.2016.09.018. Epub 2016 Dec 1.